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Strohfeuer


Beschleunigung des Brandeinsatzes durch Druckbelüfter

Brände von Heu- und Strohballen beschäftigen täglich die Feuerwehren in ganz Deutschland und bringen neben einem erheblichen Zeit- und Löschwasserbedarf meistens einen großen Arbeitsaufwand mit sich. Ein Ablöschen der Ballen ohne sie auseinander zu reißen stellt ein hoffnungsloses Unterfangen dar. Auch der Einsatz von Schaum bzw. Netzmitteln bringt neben zusätzlichen Kosten und einer Umweltgefährdung keinen nennenswerten Löscherfolg mit sich. Durch die enorme Verdichtung des Erntegutes ist ein Eindringen von Wasser bzw. Netzwasser in ungeöffnete Ballen kaum möglich.

Im Rahmen der anzustrebenden Schadensbegrenzung ist es auch eher fraglich, ob es Sinn macht einem Landwirt einen Haufen Stroh oder Heu zu hinterlassen, das weder als Streu noch als Futter verwendet werden kann und mit finanziellem und maschinellem Aufwand entsorgt werden muss.

Bereits seit einigen Jahren praktiziert die Feuerwehr Isernhagen HB das "kontrollierte Abbrennen lassen", sofern dieses gefahrlos möglich ist. Natürlich hat auch weiterhin der Schutz von Leben, Sachwerten, wie noch nicht in Brand geratenen Ballen, Futtermitteln, Maschinen oder Gebäuden absoluten Vorrang. Allerdings kann es schon einige Überzeugungsarbeit kosten, nach dem Aufbau einer Riegelstellung und dem Entfernen von gefährdeten Sachwerten eben nicht wie gewohnt zum Löschen überzugehen.

Bei einem Strohballenbrand auf einer, auch ohne den Einsatz großer Mengen Löschwasser, schwer zu befahrenden Wiese entschied man sich zum kontrollierten Abbrennen. Dazu wurden, wie auch sonst beim Ablöschen, die Ballen mit Hilfe von Frontladern und Mistgabeln auseinander gerissen.

Im Laufe des Einsatzes entstand die Idee das Abbrennen der Ballen durch den Einsatz der beiden mitgeführten Überdruckbelüfter vom Typ Tempest 274 (Luftleistung max. 43.000 m3/h) zu beschleunigen. Was zu Beginn von Feuerwehrkameraden, Eigentümer und Polizisten eher ungläubig verfolgt und auch von anderen Feuerwehren zum Teil belächelt wurde, hat sich durch die positiven Erfahrungen schnell zu einer Standardmaßnahme bei der Feuerwehr Iserhagen HB entwickelt, die mittlerweile auch von anderen Feuerwehren in der Region Hannover und darüber hinaus praktiziert wird.

Nachteile beim Löschen von Stroh- & Heuballen:
  • große Mengen Löschwasser erforderlich
  • großer materieller und personeller Aufwand
  • Beeinträchtigung des Untergrundes und somit auch des Maschineneinsatzes durch den erheblichen Wassereinsatz
  • großer Zeitaufwand
  • Entsorgung des Brandgutes erforderlich
  • häufig Erfordernis von Nachlöscharbeiten
  • großer Platzbedarf beim Ablagern u. Ablöschen
Da die Abbrandgeschwindigkeit neben der Art, Qualität, Form und Lagerung des Brandgutes auch von den Witterungsbedingungen, sowie Bauart und Luftleistung des eingesetzten Lüfters abhängt, lassen sich keine exakten Angaben zur Zeitersparnis durch den Einsatz eines Lüfters machen. Die Erfahrungen haben aber gezeigt, dass sich ca. 1/2 bis 3/4 der benötigten Zeit beim Abbrand ohne Druckbelüfter einsparen lassen. Aufgrund der geometrischen Form von Rundballen und den sich dadurch ergebenden Hohlräumen ist die Abbrandrate deutich höher als bei gestapelten Quaderballen. Die längs durch die gesamte Miete verlaufenden Hohlräume nehmen durch den entstehenden Kamineffekt großen Einfluss auf die Brandausbreitung und den Abbrand der Ballen.

Autoren der Feuerwehr Isernhagen:
Tobias Plesse & Suresh-Benjamin Warda
Bilder: Hans-Jürgen Zilling (Pressesprecher)

Quelle:
rescue-tec